Dieses Buch stand schon lange auf meiner Liste. Es gehörte zu den ersten, die ich kaufte, nachdem ich wieder mit dem Lesen angefangen hatte. Umso mehr hatte ich mir davon erhofft. Leider konnte es diese Erwartungen nicht erfüllen und hat mir am Ende nicht wirklich gefallen.
“Lord Henry Wotton, dieser geistreich-zynische Dandy, ist es, der den zu Beginn der Handlung etwa zwanzigjährigen, unverdorbenen und faszinierend schönen Dorian Gray zum Hedonismus, zum rücksichtslosen Ausleben seiner Jugend verführt. Damit weckt er in ihm das Verlangen, ewig jung und schön zu bleiben, um alle Sinnenfreuden auskosten zu können. Der mit der Intensität eines Gebetes ausgesprochene Wunsch Dorian Grays, statt seiner möge das Bildnis, das Basil Hallward von ihm gemalt hat, altern – ein Wunsch, für dessen Erfüllung er seine Seele zu geben bereit ist – wird ihm gewährt.”
Klappentext
Der Schreibstil ist gut und angenehm zu lesen. Wilde formuliert klar, präzise und mit einer sprachlichen Eleganz, die man ihm ohne Frage zugestehen muss. Das eigentliche Problem liegt für mich woanders: Ausnahmslos alle Figuren sind auf das Schlimmste verdorbene, „lustsüchtige“, oberflächliche Egoisten. Dass dies durchaus ein Ziel von Oscar Wilde gewesen sein dürfte und bis zu einem gewissen Grad wohl auch der Gesellschaft seiner Zeit entsprach (und immer stärker auch der unseren), ist mir bewusst. Trotzdem bleibt einem mit gesundem Menschenverstand oft nur das Kopfschütteln.
Das allein wäre vielleicht noch zu verschmerzen, gerade angesichts der Umstände. Doch es geschieht insgesamt sehr wenig. Die erzählten Handlungen sind vorhersehbar und selten wirklich fesselnd. Dazu kommen endlose, langatmige Gespräche sowie ausufernde Aufzählungen von Gegenständen, Reisen, Menschen, Textilien und Edelsteinen, mit denen sich Mr. Gray beschäftigt oder umgibt. Über weite Strecken wirkt das eher wie ein Katalog als wie eine Geschichte.
Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren, falls ich das Buch völlig falsch verstanden haben sollte. Aber es gibt aus dieser Epoche deutlich stärkere Werke, die mich wirklich begeistert haben. Für mich blieb hier am Ende nur ein „Meh“, und deshalb kann ich es mit 3 von 5 Sternen kaum empfehlen.
Rating: ⭐️⭐️⭐️
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