Ich mag die Bücher von Ferdinand von Schirach sehr gerne. Ich habe bereits “Terror” und auch “Carl Tohrberg” unglaublich geliebt. Seine klare Schreibweise ist wie ein scharfes Messer, wie ein Geräusch ganz nah am Mikrofon, unglaublich angenehm zu lesen. Man spürt die unzähligen Gedanken, die in seine Bücher fliessen, und man merkt auch, dass er jeden Satz viele Male durchdacht und auseinandergenommen hat, bis er genau so ist, wie er sein sollte.

„Ein Mann kommt durchnässt aus dem Regen in eine Bar – auf die Bühne – und denkt über Verbrechen und Strafen nach, über das Großartige und das Schreckliche unserer Zeit, über die Würde des Menschen, die Einsamkeit, die Liebe, den Verlust und das Scheitern.“

Klappentext

“Regen” ist keine Ausnahme. Ein Mann philosophiert in einer Bar über sein Leben, das Leben der anderen, die ganze Welt und alles dazwischen. Das Setup ist denkbar einfach. Es gibt wenig bis gar keine Handlung, aber die Gedanken sind so stark und klar, dass sie das Buch tragen.

Besonders spannend fand ich auch das Interview mit dem Autor am Ende des Buches. Es bietet tiefe Einblicke und noch mehr interessante Gedanken. Die Aussagen im Gespräch geben zusätzliche Anhaltspunkte zu den Themen und Ansichten in “Regen” und lassen viele Stellen des Textes noch klarer und vielschichtiger erscheinen.

Sehr berührt hat mich, dass Schirach offen über seine Depression spricht. Vielleicht ist es genau diese Erfahrung, die seinen Blick auf die Welt so besonders macht – scharf, melancholisch, aber auch voller Empathie. Da ich selbst mit Depressionen lebe, frage ich mich, ob es gerade dieser Ton ist, der mich so stark anspricht und warum ich mich in seinen Gedanken und seinem Stil so wiederfinde.

Eine Empfehlung für alle, die sich gerne Gedanken über unsere Welt und die Menschen machen.

Rating: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

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