Ich hatte mich wirklich auf dieses Buch gefreut. Ich habe vorletztes Jahr schon „Piranesi“ gelesen und war total begeistert. Daher dachte ich, dieses Buch werde ein Jahreshighlight und stehe dann direkt neben „Herr der Ringe“, „Harry Potter“ oder anderen hochkarätigen Werken. Aber dann kam alles anders.
„Wir schreiben das Jahr 1806. Seit Jahrhunderten gibt es keine Zauberei mehr in England. Doch während auf dem Festland der Krieg gegen Napoleon tobt, entdecken die Zaubereihistoriker, dass es noch einen praktizierenden Magier gibt: Mr. Norrell, ein Einzelgänger, der zurückgezogen in Hurtfew Abbey in Yorkshire lebt. Noch ehe sich Regierung und High Society von dieser Überraschung erholt haben, taucht ein zweiter Zauberer auf: der junge, charismatische Jonathan Strange. Die beiden Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten, schließen sich im Dienste der Krone zusammen, um in den Krieg einzugreifen. Doch Strange wird von der dunklen, mysteriösen Magie des Rabenkönigs angezogen, des größten Zauberers aller Zeiten. Um mehr über ihn zu erfahren, riskiert er sogar die Freundschaft zu seinem Mentor. Doch Mr. Norrell hat ebenfalls ein magisches Geheimnis, das ihn und alles, was er sich aufgebaut hat, zerstören könnte, wenn es jemals ans Licht käme.“
Klappentext
Ich habe kein Problem damit sehr lange Bücher zu lesen, vor allem wenn sie richtig gut sind und ich in ihre Welten eintauchen kann. Hier waren es jedoch 900 Seiten Folter und etwa 150 sensationelle Seiten, die sich wie ein Feuerwerk gelesen haben. Das ist kein gutes Verhältnis. Ich kann verstehen, dass ein Debut nicht perfekt ist. Was ich nicht verstehe ist, wo hier das Editing war. Ich sehe jedenfalls nicht das Buch, das sich vor „Herr der Ringe“ nicht verstecken muss, wie es der Klappentext behauptet.
Ja, die Welt ist gross und facettenreich, aber sie ist über weite Strecken langweilig und verschenkt zu Beginn ihr Potential. In den wenigen Momenten, in denen Magie zum Vorschein kommt, passiert kaum etwas Spannendes. Es ist so zäh und nervtötend wie Mr. Norrell selbst, den man bereits nach 20 Seiten am liebsten schütteln oder ihm den Hals umdrehen würde. Er ist die Unsicherheit, Ängstlichkeit, Arroganz und Zwangsstörung in Person. Erst gegen Ende scheint Mrs. Clarke die Tore zu öffnen und die Magie wirklich zeigen zu wollen.
Die letzten 150 Seiten sind dann ein echter Hingucker, ein Feuerwerk und eine Freude zu lesen. Dennoch kann ich deshalb nicht mit gutem Gewissen vier Sterne vergeben, wenn ich das Buch mit anderen Werken vergleiche.
Fazit:
Vielleicht hilft es mit weniger Erwartungen an das Buch zu gehen. Die Geschichte hätte grosses Potential und immerhin wollte ich das Buch trotz allem zu Ende lesen. Nichtsdestotrotz sind es für mich nur drei Sterne und ich kann es nicht mit gutem Gewissen empfehlen, höchstens den hartgesottenen Fantasy-Fans, die einfach alles gelesen haben möchten.
Rating: ⭐️⭐️⭐️


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