Wie schon oft erwähnt, zuletzt bei meinem vorherigen Buch von Schirach, ist der Schreibstil des Autors aus meiner Sicht absolut gigantisch und jedes Mal messerscharf. Auch dieses Buch hatte ich lange auf meiner TBR und bin froh, es gelesen zu haben.
„»Kaffee und Zigaretten« verwebt autobiographische Erzählungen, Aperçus, Notizen und Beobachtungen zu einem erzählerischen Ganzen, in dem sich Privates und Allgemeines berühren, verzahnen und wechselseitig spiegeln. Es geht um prägende Erlebnisse und Begegnungen des Erzählers, um flüchtige Momente des Glücks, um Einsamkeit und Melancholie, um Entwurzelung und die Sehnsucht nach Heimat, um Kunst und Gesellschaft ebenso wie um die großen Lebensthemen Ferdinand von Schirachs, um merkwürdige Rechtsfälle und Begebenheiten, um die Idee des Rechts und die Würde des Menschen, um die Errungenschaften und das Erbe der Aufklärung, das es zu bewahren gilt, und um das, was den Menschen erst eigentlich zum Menschen macht. In dieser Vielschichtigkeit und Bandbreite der erzählerischen Annäherungen und Themen ist »Kaffee und Zigaretten« das persönlichste Buch Ferdinand von Schirachs.“
Klappentext
Hier handelt es sich nicht um echte Kurzgeschichten, sondern eher um Anekdoten, Begegnungen, Erlebnisse und Gedanken des Erzählers beziehungsweise des Autors. Einige sind lustig, andere traurig, viele regen zum Nachdenken an und alle zeugen von einer feinen, glasklaren Beobachtungsgabe. Ich hätte noch stundenlang weiterlesen können, denn von diesen alltäglichen Beobachtungen bekommt man nie genug. Die einzelnen Kapitel sind unglaublich verschieden und vielschichtig, und genau das ist einer der Gründe, weshalb man das Buch kaum aus der Hand legen mag.
Besonders spannend fand ich, wie von Schirach von seinem Grossvater erzählt, der eine Nazivergangenheit hat. Damit wirft er Fragen von Schuld und Verantwortung über Generationen hinweg auf. Sehr interessant, wenn auch traurig und herzzerreissend, war ebenfalls die Geschichte um den Suizid von Stefan Zweig und seiner Frau. Die Umstände kannte ich so nicht. Dasselbe gilt für den tödlichen Autounfall von Albert Camus.
Alle Geschichten haben mich auf irgendeine Weise berührt und liessen mich Situationen und Menschen in neuem Licht sehen oder überhaupt erst wahrnehmen. Darum sind es auch diesmal 5 Sterne ohne zu zögern und eine Empfehlung an alle, die Geschichten und Anekdoten lieben, Sprache feiern und sehen wollen, was Sprache kann.
Rating: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
📝 Wenn du nach meinen eigenen Kurzgeschichten, Gedichten und Texten suchst, schau dir meinen Substack an: https://substack.com/@fragmentsandthedark


Leave a Reply