Ich habe bisher alle Bücher von Ferdinand von Schirach auf meiner Leseliste, aber noch nicht alle gelesen. Die Bücher, die ich kenne, habe ich ausnahmslos geliebt. Ich greife zu seinen Werken immer dann, wenn ich von Anfang an sicher sein will, etwas wirklich Gutes in den Händen zu halten.

„Was ist Wahrheit? Was ist Wirklichkeit? Wie wurden wir, wer wir sind? Ferdinand von Schirach beschreibt in seinem dritten Erzählungsband zwölf Schicksale. Er zeigt, wie schwer es ist, einem Menschen gerecht zu werden und wie voreilig unsere Begriffe von „gut“ und „böse“ oft sind. Ferdinand von Schirach verurteilt nie. In ruhiger, distanzierter Gelassenheit und zugleich voller Empathie erzählt er von Einsamkeit und Fremdheit, von dem Streben nach Glück und dem Scheitern. Seine Geschichten sind Erzählungen über uns selbst.“

Klappentext

“Strafe” macht da keine Ausnahme. Von Schirach schreibt mit einer messerscharfen Klarheit, die schwer zu beschreiben ist: Der Stil ist einfach, direkt und flüssig zu lesen, doch die Metaphern, die Vergleiche und die Geschichten als Ganzes überzeugen auf der ganzen Linie. Eins ums andere Mal gelingt es ihm, grossartige Kurzgeschichten zu schreiben, die weit mehr hinterlassen als ihre schlanke Form vermuten lässt.

Was diesen Band besonders auszeichnet, ist das Spiel mit Schuld und Strafe. Man lernt die Beweggründe der Täter kennen und entwickelt oft Nachsicht mit ihnen, auch dort, wo man es vielleicht nicht erwartet hätte. Teilweise stellt sich der mutmassliche Täter gar nicht als der wahre heraus, oder in der Verhandlung geschehen Dinge, die man schlicht nicht kommen sieht. Die Twists sind selten billig und verändern im besten Fall alles.

Alles in allem ein tolles Buch, das fünf Sterne mehr als verdient hat.

Rating: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

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