Ich habe bereits mehrere Werke von Patrick Süskind gelesen und schätze seinen präzisen, feinsinnigen Schreibstil sehr – Die Taube bildet da keine Ausnahme. Die Geschichte rund um den Wachmann Jonathan Noel ist ein kleines literarisches Meisterwerk der psychologischen Beobachtung.
„In fünf Monaten wird der Wachmann einer Pariser Bank, der als einzigen Nutzen seiner Tätigkeit das Öffnen des Tores vor dem Direktionswagen erkannt hat, das Eigentum an seiner kleinen Mansarde endgültig erworben haben, wird ein weiterer Markstein seines Lebensplanes gesetzt sein. Doch dieser fatalistische Ablauf wird an einem heißen Freitagmorgen im August 1984 jäh vom Erscheinen einer Taube in Frage gestellt.“
Klappentext
Jonathan lebt ein zurückgezogenes, beinahe klinisch geordnetes Leben, geprägt von inneren Zwängen, Routinen und einem fast zwanghaften Bedürfnis nach Kontrolle. Eine scheinbare Banalität bringt sein fein austariertes Weltbild ins Wanken. Was folgt, ist ein stilles, aber intensives Drama, das sich fast ausschließlich in seinem Kopf abspielt. Süskind zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie wir Menschen aus kleinen Auslösern ganze Katastrophenszenarien spinnen können – und wie sehr wir uns in unseren eigenen Gedanken verlieren.
Dabei gelingt es dem Autor, Jonathans Abstieg ins innere Chaos mit einem leichten, oft amüsanten Ton zu erzählen, der immer wieder zum Schmunzeln oder auch zum Kopfschütteln anregt. Und spätestens wenn man sich selbst in den kleinen Übertreibungen und Fluchten wiedererkennt, hält einem das Buch auf ganz subtile Weise den Spiegel vor.
Die Taube ist eine feine, kluge und psychologisch tiefgründige Erzählung, die in ihrer Kürze erstaunlich viel Tiefe vermittelt. Für mich ist es ein leises, aber starkes Plädoyer für mehr Achtsamkeit und Selbstreflexion, gerade in einer Zeit, in der Unsicherheit und Angst allgegenwärtig sind. Darum sind es für mich 5 Sterne für ein stilles Meisterwerk mit großer Aussagekraft.
Rating: ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️


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