Update nach etwas Bedenkzeit und einer interessanten Diskussion mit meiner Freundin (<a href=”https://www.goodreads.com/whattheareads”>What.Thea.Reads</a>):
Ich werde meine Bewertung tatsächlich auf 3 Sterne ändern. Nicht, weil mir das Buch plötzlich gefällt. Zu meinen Favoriten gehört es leider weiterhin nicht. Ich musste aber feststellen, dass ich mich von Holdens Persönlichkeit etwas in die Irre führen liess. Ja, er ist unglaublich nervtötend, ja, er nörgelt an allem und jedem herum, und ja, er ist teilweise arrogant, naiv, kurzsichtig und alles andere dazu. Ich muss aber zugeben, dass er sehr liebevoll und beschützend mit seiner kleinen Schwester umgegangen ist und ihretwegen auch nicht von zu Hause weggelaufen ist. Er hat viele Floskeln und merkwürdige Verhaltensweisen bei anderen erkannt und sich gefragt, warum die Leute so etwas tun oder sagen und ob das wirklich Sinn ergibt. In seiner Vision des Roggenfeldes wollte er andere Kinder in ihrer Unschuld und Unversehrtheit beschützen, bevor sie in den Abgrund stürzten. Die Zeichen waren also da, ich habe mich nur von einer Fassade beeinflussen lassen.
Zusätzlich habe ich mir überlegt, dass ich seit einigen Jahren versuche, Menschen nicht einfach als unfreundlich, dumm oder nervtötend abzutun, sondern mir immer bewusst zu machen, dass jeder seinen Rucksack trägt und die vordergründige Emotion oder die vordergründige “Frechheit” manchmal weniger mit mir als mit der jeweiligen Situation der Person zu tun hat. So ähnlich geht es mir mittlerweile mit Holden. Er ist kaum nur ein arroganter, nörgeliger A…., sondern hat auch Ängste, Unsicherheiten und vieles mehr, und vielleicht kann sein 16-jähriges Ich nicht anders damit umgehen, als an allem herumzunörgeln und sich sehr störrisch und rebellisch zu geben. Lange Rede, kurzer Sinn: Was ich sagen will, ist, dass vielleicht doch mehr hinter Holden und seinem Verhalten steckt, als ich zu Anfang dachte, auch wenn es dadurch für mich weder das Buch des Jahrhunderts noch besonders gut geschrieben ist. Neue Bewertung also: 3 oder 3,5 Sterne.
Rating: ⭐️⭐️⭐️
Erste Rezension direkt nach dem Lesen:
Zum Schluss dachte ich leider nur: „Gott sei Dank bin ich endlich durch mit dem Ding!“ Dieses Buch war nun einmal gar nichts für mich. Entweder gehöre ich zu den piefigen Typen da draussen, oder ich bin gerade im falschen Alter, in der falschen Stimmung, oder ich habe es in der falschen Sprache gelesen. Gut war es aber eindeutig nicht.
„Der 16-jährige Holden Caulfield irrt alleine durch New York, nachdem er von der Schule geflogen ist. Dabei erzählt er ausführlich von diesen drei Tagen und spart keine Sekunde aus oder versteckt auch nur einen einzigen seiner Gedanken vor uns…“
Klappentext
…und das ist genau das, was mir so unendlich auf den Zeiger gegangen ist. Er nörgelt an allem herum. Jeder ist komisch, dumm oder piefig, an jedem findet er irgendetwas auszusetzen. Ich habe auch solche Phasen in meinem Leben, und ich verstehe ja, dass er mitten in der Pubertät steckt und noch andere Schwierigkeiten hat (mehr kann ich nicht sagen, sonst spoilere ich!). Nur verstehe ich nicht, weshalb man darüber ein Buch schreibt, was daran ein Klassiker sein soll und weshalb jeder meint, es gelesen haben zu müssen…
Als ich wieder mit dem Lesen angefangen habe, kaufte ich mir relativ bald auch dieses Buch, und es lag nun zwei Jahre auf meiner TBR. Ich hatte kein wirklich schlechtes Gewissen, dachte mir aber immer mal wieder, dass ich das doch endlich lesen müsste… es hätte allerdings ruhig noch länger warten können. Somit also absolut keine Empfehlung.
Rating: ⭐️⭐️
PS: Ich werde das Buch trotzdem noch nicht ganz abschreiben. Irgendwann lese ich das Ding nochmals, dann auf Englisch, und sehe, ob es dann anders wird…
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