Der Nachbar

Ich musste das Buch natürlich wieder am Erscheinungstag kaufen und direkt mit dem Lesen beginnen. Mittlerweile ist das bei uns schon zu einer kleinen Tradition geworden: Ich kaufe das neue Fitzek-Buch und danach lesen meine Freundin und ich es gemeinsam. Meistens (so auch diesmal) sind wir innerhalb eines Wochenendes durch.

Der Einstieg ist wie gewohnt rasant, man ist sofort mitten im Geschehen. Schon auf den ersten Seiten gibt es Wendungen, mit denen man nicht rechnet, und die einem fast den Kopf verdrehen. Das Tempo bleibt durchgehend hoch, und der Schreibstil ist wie immer flüssig und angenehm.

„Sie dachte, ihre grösste Angst ist es, allein zu sein. Bis sie herausfindet, dass sie es nie war. Die Strafverteidigerin Sarah Wolff leidet an Monophobie, der Angst vor Einsamkeit. Was sie nicht weiss: Nachdem sie mit ihrer Tochter an den Stadtrand Berlins gezogen ist, hat sie einen unsichtbaren Nachbarn, der sie keine Sekunde lang allein lassen wird.“

Klappentext

Trotzdem hat mich das Buch schon in der ersten Hälfte ein wenig verloren. Die Twists waren einfach zu zahlreich, die Ereignisse haben sich überschlagen, und vieles wirkte irgendwann zu übertrieben. In meiner Review zu „Das Kalendermädchen“ habe ich geschrieben, dass ich, wenn ich Realismus will, auch die Zeitung lesen kann, und dazu stehe ich nach wie vor, aber hier wurde es selbst mir zu viel. Einige Handlungsstränge wurden meiner Meinung nach nicht richtig aufgelöst, und auch das Ende hat mich nicht überzeugt. Ich hatte den Eindruck, die Geschichte hätte etwas früher enden sollen, und vieles wirkte einfach zu unwahrscheinlich.

Dann war da noch der Teil mit dem Feminismus. Die Protagonistin betont mehrmals, dass sie sich nichts mehr von Männern vorschreiben lassen will. An sich finde ich diese Botschaft gut, aber die Szenen wirkten etwas erzwungen, als hätte man sie eingebaut, um ein Thema abzuhaken. Ich hätte mir gewünscht, dass hier etwas mehr „show, don’t tell“ angewendet worden wäre und dass das Thema, wenn es schon vorkommt, mehr Tiefe bekommt.

Trotz meiner Kritik hat mich das Buch insgesamt gut unterhalten, auch wenn es für mich zu den schwächeren Fitzek-Romanen der letzten Jahre gehört. Einige kleine Highlights wie die typischen „Easter Eggs“ sorgen für ein Schmunzeln bei Fans, konnten den insgesamt eher durchwachsenen Eindruck aber nicht vollständig ausgleichen. Am Ende blieb bei mir zum ersten Mal das Gefühl zurück, dass Fitzek sein Potenzial nicht ausgeschöpft hat.

Rating: ⭐️⭐️⭐️

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